Erstmals kartiert: Wer ernährt uns morgen?

München/Berlin, 08. Juni 2026. Das Ernährungssystem steht unter Druck: Klimawandel, Ressourcenknappheit und Ernährungssicherheit verlangen neue Lösungen und die entstehen selten im Alleingang. Wer hier über Partnerschaften, Innovation oder Investments entscheidet, muss wissen, wer die Akteure sind und wie sie zusammenpassen. Diese Orientierung fehlte bislang. Mit der AgriFood Landscape liegt nun erstmals eine systematische Übersicht vor aus dem DACH Raum.
Erstellt wurde die Landscape von UnternehmerTUM, Europas führendem Zentrum für Innovation und Entrepreneurship, gemeinsam mit IICM Consulting und dem Food Campus Berlin. Grundlage ist eine Datenbasis von über 600 B2B-Akteuren entlang der gesamten Wertschöpfungskette, von Saatgut und Landwirtschaft über die Zutaten- und Lebensmittelproduktion bis hin zur Verpackung und der Verwertung von Nebenströmen. Daraus zeigt die Landscape eine kuratierte, repräsentative Auswahl: nicht das gesamte Ökosystem, aber dessen Struktur und Vielfalt.
Der Fokus liegt bewusst auf Business-to-Business, denn hier entstehen die Kooperationen, die Innovationen in den Markt bringen: Startups entwickeln neue Technologien und Geschäftsmodelle, etablierte Unternehmen liefern Skalierung und Marktzugang. Genau diese Brücken macht die Landscape sichtbar: Startups finden schneller die passenden Industriepartner und Pilotkunden, Corporates und Mittelstand nutzen sie als Innovationsradar, Investor:innen erkennen Cluster und Trends, und Verbänden oder Politik bietet sie ein strukturiertes Lagebild. Denn in der Branche werden Agri und Food bislang oft getrennt betrachtet; erst die durchgängige Darstellung der gesamten Wertschöpfungskette zeigt, wer wo aktiv ist, wer zu wem passt und wo Brücken fehlen.
Was die Landscape zeigt
Die Landscape macht eine klare Diskrepanz sichtbar: Rund 22 % der dargestellten Startups arbeiten an der Landwirtschaft, und auch in der Reststoffverwertung sind die jungen Unternehmen mit Abstand am aktivsten. Auf Industrieseite sind in diesem Segment jedoch nur neun etablierte Unternehmen vertreten. Hier treffen viele Innovatoren auf wenig etablierte Industrie - eine offene Flanke und zugleich das größte Potenzial für neue Partnerschaften. Auf Corporate-Seite dominieren die Lebensmittelhersteller mit rund einem Drittel als größte Gruppe. Damit trifft eine breite, etablierte Industriebasis auf junge, technologiegetriebene Startups - die Grundvoraussetzung für skalierbare Kooperationen.
Deutschland ist das Gründungszentrum des DACH-Ökosystems: Zwei von drei dargestellten Startups haben dort ihren Hauptsitz, 20 % in der Schweiz, 11 % in Österreich. Bei den etablierten Unternehmen ist das Bild nahezu identisch (Deutschland rund zwei Drittel, Schweiz 20 %, Österreich 13 %). Die Schweiz und Österreich stellen zusammen rund ein Drittel des Ökosystems – eine DACH-weite Perspektive bildet den Markt damit realistischer ab als nationale Einzelbetrachtungen. Die Gründungswelle hatte ihren Höhepunkt um 2020: Rund 40 % der Startups mit erfasstem Gründungsjahr entstanden zwischen 2019 und 2021. Wer diese Phase überstanden hat, gehört heute zu den gefestigten Partnern im Ökosystem.
Stimmen aus dem Ökosystem
„Ein lebendiges Ökosystem braucht Sichtbarkeit. Dass die Innovation grenzüberschreitend über die gesamte DACH-Region verteilt ist, zeigt: Wer die Akteur:innen nicht kennt, kann keine Brücken bauen und ohne Brücken bleibt Innovation im Silo“, sagt Nikola Baumschlager, Leiterin des AgriFoodHubs bei UnternehmerTUM.
„Was bisher gefehlt hat, ist ein gemeinsames Bild der Branche. Die Landscape schafft genau das und macht aus einzelnen Innovationen ein vernetztes Ökosystem“, ergänzt Lia Carlucci, Geschäftsführerin des Food Campus Berlin.
„Die größten Innovationspotenziale entstehen dort, wo Startups und Corporates gezielt zusammenarbeiten. Während Ventures neue Technologien und Geschäftsmodelle entwickeln, bringen Corporates Skalierung und Marktzugang ein“, sagt Barbara Siegert, Partnerin bei IICM Consulting.
Methodik und Abdeckung
Erfasst wurden B2B-Startups in frühen Finanzierungsphasen sowie industrieller Mittelstand, aber auch darüber hinaus wichtige Unternehmen mit Hauptsitz in Deutschland, Österreich oder der Schweiz. Diese Auswahl entstand durch Kuration von ExpertInnen in Kombination mit einem KI-gestützten Analysemodell, das Unternehmen nach Geschäftsmodell, Segment und Größe einordnet. Zu den zentralen Food-Enabler-Plattformen im Ökosystem zählen in Deutschland UnternehmerTUM oder auch der Food Campus Berlin.
Die Partner und eine gemeinsame Vision
UnternehmerTUM hat die Initiative zur Kartierung ergriffen und mit IICM Consulting und dem Food Campus Berlin zwei Partner gewonnen, die das Ökosystem durch ihre Arbeit ebenfalls aktiv gestalten. Unterstützt wird das Projekt von der Wirtschaftskammer Österreich (WKO) und dem Swiss Food & Nutrition Valley.
Ausblick
Die AgriFood Landscape DACH ist der Auftakt eines größeren Vorhabens.
Im Herbst 2026 folgt der nächste Schritt: Mit dem State of the AgriFood Ecosystem in Europe erscheint ein umfassender Report, der die europäische Perspektive öffnet. Er ordnet Finanzierungsrunden und Investitionsströme ein, analysiert regionale Cluster und Innovationsschwerpunkte über die DACH-Region hinaus und zeichnet ein vollständiges Bild davon, wo das europäische AgriFood-Ökosystem heute steht – und wohin es sich entwickelt.
AgriFood Landscape DACH hier als PDF herunterladen
Über UnternehmerTUM
UnternehmerTUM ist eine einzigartige Plattform für die Entwicklung von Innovationen. Startups bietet UnternehmerTUM einen Rundum-Service von der ersten Idee bis zum Börsengang. Ein Team aus über 500 erfahrenen Mitarbeitenden, darunter Unternehmer, Wissenschaftler und Investoren, unterstützt beim Aufbau des Unternehmens, beim Markteintritt und bei der Finanzierung auch mit Venture Capital. Etablierten Unternehmen bietet ein Team aus erfahrenen Beratern den optimalen Zugang zum Ökosystem von UnternehmerTUM. 2002 von der Unternehmerin Susanne Klatten gegründet, ist die gemeinnützige UnternehmerTUM GmbH mit jährlich mehr als 100 wachstumsstarken Technologiegründungen - u. a. Celonis, Konux und Isar Aerospace - das führende Zentrum für Innovation und Entrepreneurship in Europa.
Über Food Campus Berlin
Der Food Campus Berlin ist ein in Berlin entstehendes Zentrum für die Zukunft der Ernährung, in dem Wissenschaft, Wirtschaft und Politik interdisziplinär an Lösungen für ein nachhaltig profitables Ernährungssystem arbeiten werden. Der Campus kuratiert ein Netzwerk entlang der Wertschöpfungskette, von Saatgut über Lebensmittelproduktion bis zu Technologie-Startups und umfasst bereits heute eine Community von über 13.000 Food-Professionals. Geschäftsführerin ist die Ernährungswissenschaftlerin und Unternehmerin Lia Carlucci.
Über IICM Consulting
IICM Consulting ist eine auf strategische Transformation spezialisierte Boutique-Beratung mit Sitz in München. IICM begleitet Organisationen an der Schnittstelle von Strategie, Innovation und Veränderung – von Foresight und Strategieentwicklung über agile Umsetzung bis hin zu KI-Transformation, Leadership und Kulturarbeit. Ein besonderer Fokus liegt auf der Food-Branche: Entlang der gesamten Food Value Chain unterstützt IICM Unternehmen dabei, Wachstums- und Transformationspotenziale zu identifizieren, Partnerschaften wirksam zu gestalten und Innovation in die Skalierung zu bringen. Insbesondere im B2B-Sektor fördert IICM die Zusammenarbeit von Corporates und Start-ups als Voraussetzung für neue Geschäftsmodelle, schnellere Umsetzung und zukunftsfähige Wertschöpfung.